Von brennenden Synagogen

Die Nacht vom 9.-10. November 1938 ist der Übergang von der Ausgrenzung von Juden zu ihrer systematischen Verfolgung. Das Pogrom war von höchster Stelle angeordnet und in Ausmass und Schrecklichkeit genauestens geregelt: von da an führt der Weg direkt in die Massenvernichtung der Juden Europas.

Am Abend des 9. November 1938 verstarb in Paris der Legationssekretär der deutschen Botschaft, Ernst vom Rat, der zwei Tage zuvor vom jungen polnischen Juden Herschel Grynszpan niedergeschossen worden war. Hitler, der sich an diesem Abend mit Veteranen des Hofbräuhaus-Putsches traf, überliess die Regie seinem Propagandaminister. Wie Zeitdokumente belegen, achtete das Regime insbesondere darauf, dass keine Ausländer und deren Einrichtungen, oder deutsche Nicht-Juden zu Schaden kamen. Dem „gerechten Vorlkszorn“ gegen Juden standen höchstens vereinzelt Einzelpersonen gegenüber. Hunderte starben, Tausende wurden in Konzentrationslager verschleppt. Ihre Vermögen wurden konfiziert, denn sie dienten der Aufrüstung zum Krieg.

Insbesondere in dieser einzigen Nacht brannte der gelenkte Mob Synagogen und jüdische Geschäfte nieder. Jüdische Menschen wurden durch die Strassen getrieben – Männer, Frauen, junge und alte. Begleitet von johlenden Massen, durch die fortgesetzte, jahrelange Hetze enthemmten und aufgehetzten Horden. Aber sieben Jahre später waren alle, die noch lebten, von einer kollektiven Amnesie befallen: „Wir haben nichts gewusst“. Und heute, fast achtzig Jahre später? Da darf ein rechts-nationaler Politiker die Gedenkstätte der ermordeten Juden Europas in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnen, bis heute ungestraft. Und in Wuppertal darf wieder eine Synagoge angezündet werden, das sei politischer „Protest gegen Israel“. Nie wieder? Im Ernst?

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