Die Scheinheiligkeit zum Greifen nah

Der – demokratisch längst nicht mehr legitimierte – Herrscher der palästinensischen Araber, Mahmud Abbas, wurde gestern im Weissen Haus empfangen. Im sog. Roosevelt-Zimmer dem anti-chambre zum Oval Office. Bin mir nicht sicher, aber ich glaube nicht, dass es Bilder von Arafat im Weissen Haus gibt. Insbesondere aber bin ich nicht überzeugt davon, dass Abbas es verdient hat, im Weissen Haus begrüsst zu werden: hatte nicht Abbas zuletzt vor der UNO erklärt, es wäre ein enormer Verzicht gewesen, dem Terror als legitimen Mittel zur Verwirklichung des Ziels eines Staates abzuschwören?
 
Aber dann, gestern, stand Präsident Trump regungslos dabei, als sein Gast erklärte: „…I affirm to you that we are raising our youth, our children, our grandchildren on a culture of peace.“ Der amerikanische Präsident fand es auch im Nachhinein nicht notwendig, diese offensichtliche Lüge zu entkräften. Im Gegenteil, er nutzte nach dem Treffen sein Lieblingsmedium Twitter, um zu verkünden, es sei ihm eine Ehr gewesen, Abbas im Weissen Haus zu empfangen. Der Tweet wurde erst einen Tag später gelöscht. Eine Entgegnung zu den Falschheiten in Abbas‘ Pressestatement war bis heute nicht aus seinem Munde zu vernehmen – im Gegenteil: bekräftigt wurde die gemeinsame Entschlossenheit, Gewalt und Terrorismus zu bekämpfen. 
 
Das ist Orwellscher Double-Speak der übelsten Sorte, denn das, was Abbas als Terror anerkennt, ist längst nicht all das, was die USA – und alle anständigen Menschen mit ihnen – als Terror sehen. Konkret: für Abbas sind Messerstecherei, Mord-mit-Auto, und auch Steinewerfen legitime Mittel des Kampfes.
 
Ich kann nicht anders, als dies eine Scheinheiligkeit zu nennen. Dazu passt auch die primitive Grosskotzigkeit am Ende der Pressestatements, aus Trumps Munde, sinngemäss übersetzt: „Mein ganzes Leben lang habe ich gehört, eine Einigung zwischen Israel und den Palästinensern wäre die härteste Nuss. Dann wollen wir mal sehen, ob wir die nicht Lügen strafen können. OK?“ Und einem offensichtlich verdutzten Abbas blieb nichts anderes übrig, als kleinlaut, wie ein artiger Schuljunge, beizupflichten: „OK.“ Eine gemeinsame Absichtserklärung, ein Bekenntnis, stelle ich mir anders vor!

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