60 Jahre nach Suez 1956

Auszug aus meinem Beitrag zum Doppel-Jubiläum (Suez und Volksaufstand in Ungarn) bei der European News Agency:

Dem jungen ägyptischen Soldaten Gamal Nasser, der 1952 das Regime des Königs Faruk in einem Putsch stürzte und die Macht in Kairo übernahm, ging es bei Suez 1956 darum, die Führerschaft seines Landes in der arabischen Welt zu begründen. Dazu bediente er sich einer Krise, welche er geschickt als Teil der grossen anti-kolonialistischen Bewegung zu instrumentalisieren verstand. Auf diese Weise lavierte er 1956 noch geschickt zwischen Washington und Moskau, um den seit seinem Bau im 19. Jahrhundert sich in britisch-französischer Hand befindenden Suez-Kanal zu verstaatlichen, welche als wichtige Wasserstrasse seinem Land wertvolle Deviseneinnahmen sichert sollte.

Nassers wiederholt geäusserte Drohung, sich des Kanals zu bemächtigen, galt in Paris und London als rote Linie. In geheimen Verhandlungen mit Jerusalem entwarfen sie die Dramaturgie, mit der Nasser begegnet werden sollte: Israel ging es um die Öffnung der Strasse von Tiran, dem freien Zugang zu seinem südlichen Hafen Eilat, im Golf von Aqaba. Frankreich und England waren nicht bereit, die Oberhoheit über den Kanal an Nasser abzutreten und glaubten irrtümlicherweise, dass sich Washington nicht einmischen werde.

Nachdem israelische Truppen in Vorstössen nach Westen und Süden rasch bis Scharm-el-Scheich und Alexandria vordrangen, griffen französische und britische Luftlandetruppen entlang des Kanals an, vorgeblich um einen Waffenstillstand zu erzwingen. Doch weder Russland, schon damals wichtiger Waffenlieferant für Nasser, noch die USA waren bereit, tatenlos zuzusehen. Gemeinsam erzwangen sie im UN-Sicherheitsrat einen Abbruch der israelisch-britisch-französischer Kampfhandlungen.

Neun Jahre später versuchte Nasser erneut, den Kanal als Druckmittel einzusetzen. scheiterte aber damit, weil sich die amerikanische Haltung in der Zwischenzeit deutlich geändert hatte: in Washington hatte man eingesehen, dass der ägyptische Herrscher im Oktober 1956 sie für eigene Zwecke missbraucht hatte. Zudem hatten die USA, inzwischen im Vietnamkrieg gegen die Ausbreitung des Kommunismus kämpfend, die hauptsächlich energiepolitische Bedeutung des Nahen Ostens wieder deutlicher in ihre geostrategischen Berechnungen einzubeziehen.

Morvay @ EN-A

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.